Es kommt selten vor, dass eine Serie das Herz einer ganzen Familie im Sturm erobert. Bei uns ist genau das passiert: Wir sind eine leidenschaftliche Trekkie-Familie – mein Mann, meine beiden Söhne und ich. Und doch haben wir alle im Laufe der Zeit gemerkt, dass uns moderne Ableger wie Star Trek: Discovery einfach nicht mehr das geben konnten, was wir am klassischen Sci-Fi-Genre so schätzen. Und dann kam The Orville.
Mit The Orville haben wir als Familie endlich wieder ein wöchentliches Highlight gefunden, das wir gemeinsam genießen können. Die Begeisterung ging bei mir sogar so weit, dass ich mich regelrecht dazu zwingen musste, die Folgen nicht alle in einem Rutsch durchzusuchten. Mehr als zwei Episoden am Stück waren strengstens verboten, um Entzugserscheinungen vorzubeugen – denn die Staffeln sind leider viel zu kurz! Mittlerweile bin ich beim dritten Re-Run angekommen und kann einfach nicht genug von dieser Crew bekommen. Umso größer war die Erleichterung, als nach fast drei bangen Jahren des Wartens (wo man schon Befürchtungen hatte, der Serie könnte ein ähnlich frühes Schicksal wie damals Firefly blühen) endlich die ersehnte 3. Staffel erschien. Seth MacFarlane nicht zu verlängern, wäre von den Verantwortlichen auch grob fahrlässig gewesen. Selbst wenn Fox gekniffen hätte, hätten Amazon oder andere Streaming-Anbieter bereitgestanden, um einzuspringen. The Orville trifft beim Publikum einen Nerv, den viele offizielle Kritiker lange Zeit verkannt haben.
Der richtige Ton im Sci-Fi-Universum
Warum funktioniert die Serie so gut? Weil Seth MacFarlane genau den Ton trifft, den viele Zuschauer in modernen, oft extrem düsteren und zynischen Sci-Fi-Produktionen vermissen. Zwar startete die Serie mit viel Humor, doch schon in der 2. Staffel schraubte MacFarlane den Kalauer-Faktor spürbar zurück und gab dem Setting mehr Raum zum Atmen. Dieser Trend setzt sich in Staffel 3 nahtlos fort.
Die Serie ist visuell eine absolute Wucht geworden! Die Weltraumaufnahmen, die Details der Raumschiffe und die Effekte sind der absolute Hammer – man möchte am liebsten direkt selbst an Bord der Orville gehen, um dieses Universum hautnah zu erleben.
Ein kleiner Ausflug am Rande: Wer die Serie im deutschen Fernsehen verfolgen möchte, findet sie regelmäßig dienstags ab 20 Uhr auf ProSieben MAXX. Ich persönlich bevorzuge allerdings ganz klar den englischen Originalton (OT). Die Wortwitze kommen im Englischen einfach viel authentischer rüber und manche Synchronstimmen werden den Charakteren meiner Meinung nach nicht ganz gerecht. Ein unverständliches Rätsel bleibt mir zudem die Veröffentlichungspolitik im Heimkino: Warum gibt es die Serie eigentlich nur auf DVD (wer kauft das heutzutage bitte noch?) und nicht auf Blu-ray? Die Scheiben würden sich garantiert wie geschnitten Brot verkaufen.
Achtung: Ab hier folgen spoilerhaltige Einblicke in Staffel 3!
Meisterhafte Charakterentwicklung & emotionale Tiefe
Was Staffel 3 neben der Optik aber endgültig meisterhaft macht, ist die tiefgründige Ausarbeitung der Charaktere und ihrer Beziehungen zueinander.
Isaac & Claire: Nach den dramatischen Ereignissen am Ende der zweiten Staffel musste Isaac sich das Vertrauen der Crew hart zurück erarbeiten – allen voran das von Charly, dem Neuzugang an Bord. Charlys eigener Werdegang durch die Staffel hindurch hat mir unheimlich gut gefallen und ich hätte liebend gerne noch mehr von ihr gesehen. Besonders faszinierend war jedoch die Weiterentwicklung der Beziehung zwischen Isaac und Dr. Claire Finn. Wenn man Isaac mit Data aus Star Trek: The Next Generation vergleicht, muss ich ehrlich sagen: Isaac ist mir um Längen lieber. Er ist Data in seiner persönlichen Entwicklung eindeutig einige Schritte voraus – und das vollkommen ohne künstliche Emotionen. Da könnte sich selbst der eine oder andere Vulkanier noch eine dicke Scheibe von abschneiden! Das Finale und die Auflösung rund um Isaac haben mich schlichtweg zu Tränen gerührt.
Gordon Malloy & das Zeitreise-Dilemma: Die Zeitreise-Episode um Gordon Malloy war emotional extrem berührend und großartig geschrieben. Man wünscht ihm von ganzem Herzen sein persönliches Happy End. Interessant ist auch hier der direkte Vergleich zu Star Trek: Picard: Während Cristobal Rios in der Vergangenheit bleiben durfte, wurde Malloy genau das verwehrt – obwohl in beiden Universen im Grunde dieselbe temporale Direktive herrscht. Aber Hand aufs Herz: Malloy hätte an Bord der Orville schmerzlich gefehlt. Seine eigene Familie mit in die Zukunft zu nehmen, war leider auch keine Option (obwohl ich das noch für das kleinste Übel gehalten hätte). Durch die Erfahrung, eine Familie zu gründen, hat man Gordon eine enorme Reife angemerkt. Nebenbei bemerkt: Sowohl Malloy als auch Charly haben in dieser Staffel mit phänomenalen musikalischen Einlagen geglänzt – was für tolle Stimmen und wunderschöne Songs!
Topa & die Familie auf Moclus: Richtig, richtig mega war die vielschichtige Handlung um Topa und ihre beiden Väter Bortus und Clyden. Seth MacFarlane hat mit diesen Episoden meisterhaft bewiesen, mit wie viel Feingefühl, Respekt und narrativer Eleganz sich das Thema Transgender in eine moderne Sci-Fi-Serie einbauen lässt. Ich habe in jeder Sekunde mit Topa gelitten, habe Clyden zeitweise absolut zur Hölle gewünscht und wollte Bortus einfach nur dankbar in den Arm nehmen. Wie emotional und schlüssig die Konflikte dieser Familie in der neuen Staffel gelöst wurden, war Spitzenklasse.
Erfrischend anders als der Einheitsbrei
Was mich an The Orville immer wieder aufs Neue positiv überrascht, ist die Vorhersehbarkeit, die eben nicht eintritt. In fast jeder Episode erwartet man ab einem gewissen Punkt eine bestimmte Wendung – einfach weil man aus zig anderen Dramaserien gewohnt ist, dass Konflikte künstlich in die Länge gezogen werden. Doch MacFarlane beweist Feingefühl, löst Knoten auf überraschende Weise und lässt einen als Zuschauer mit einem zutiefst zufriedenen Gefühl zurück.
Ein klitzekleiner Wunsch meinerseits wäre noch etwas mehr Interaktion zwischen Kelly und Ed gewesen. Es wirkt so, als wollte MacFarlane diesen Beziehungsstrang nicht sofort wieder aufwärmen. Aber das ist meckern auf hohem Niveau und hebt man sich vielleicht einfach für die 4. Staffel auf – die hoffentlich nicht wieder drei Jahre auf sich warten lässt!
Ein Finale für die Ewigkeit
Das Staffel-Finale hat schließlich noch einmal alle vorherigen Episoden getoppt und war eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle. Ein fantastischer Überraschungsgast hat dem Ganzen die Krone aufgesetzt, ganz zu schweigen von dem wundervollen Cameo-Auftritt von Dolly Parton – einfach nur genial und absolut herzerwärmend!
Fazit: Das jahrelange Warten auf Staffel 3 hat sich bis auf die allerletzte Sekunde gelohnt. The Orville ist aktuell das Beste, was das klassische Science-Fiction-Fernsehen zu bieten hat. Es gibt derzeit keine Serie, bei der ich mir sehnlicher wünsche, dass sie uns noch viele weitere Jahre und Staffeln lang begleiten wird!
(Wer genau wissen möchte, auf welchen Anbietern die Serie aktuell gestreamt werden kann, findet alle genauen Infos und Sendetermine übersichtlich bei werstreamt.es)
Bin jetzt fast am Ende der 1. Staffel angekommen und kann deinen Eindruck nur bestätigen: die Serie fühlt sich tatsächlich wie Star Trek an – hätte ich auch nie gedacht. Ich bin überhaupt kein Fan von (amerikanischer) Comedy und war anfangs auch sehr skeptisch, als ich hörte, dass MacFarlane der Kopf hinter der Serie ist. Aber mittlerweile muss ich zugeben, dass mir „The Orville“ gefällt und auch er als Captain macht seine Sache gut.
Dann bleibt wohl nur noch die Frage: Wann kommen deine ersten Orville-Stories? 😉
*hehe* Ja, The Orville ist irgendwie trotz Comedy echt klasse und füllt wohl genau die richtige Lücke auf dem TV-Serien Markt. 🙂
Puh, die ersten Fanfics … hier und da hatte ich tatsächlich schon kleine Ideen. Aber aktuell schreibe ich an 2 Star Trek Projekten gleichzeitig und dann hab ich auch in 2 Wochen noch meine praktische Prüfung. Wenn ich das alles hinter mir habe, könnte tatsächlich mal eine Orville Story fällig werden. 😀
Super, dann hoffe ich drauf, dass du nach dem kommenden Stress Zeit und Muße (und natürlich Muse 😉 ) finden wirst.
Und ich drücke dir die Daumen, dass du alles gut schaffst und deine Prüfungen meistern wirst, das ist ja erstmal sowieso das Wichtigste!
Danke, das ist sehr lieb von dir. 🙂