Traumjob in Reichweite

Ich weiß, es ist schon wieder eine Weile her, dass ich einen privaten Blogeintrag geschrieben habe. Irgendwie ist die Zeit so schnell verflogen, obwohl man dank der Lockdowns echt einen Lagerkoller bekommt. So gesehen bin ich diesbezüglich gern zur Arbeit gegangen. Einfach mal raus, was anderes sehen, andere Leute treffen. Der Großteil der Patienten ist wirklich lieb und angenehm, doch es sind auch echte Arschlöcher dabei – wie halt überall. Allerdings habe ich das Gefühl, dass sich einige Leute seit Corona noch wichtiger nehmen als zuvor – inbesondere ihr Aussehen. Viel zu viele Menschen denken nur noch an sich. Und mal ehrlich, ist in Zeiten einer Pandemie wirklich wichtig, ob man ein B oder D Körbchen hat? Spielt es eine so große Rolle, dass man hier und da ein Fältchen bekommen hat? Es gibt so unglaublich viele Leute, die sich für 500 bis 1000 Euro Botox oder Hyaloron spritzen lassen (oder beides), während viele Menschen derzeit um ihre Existenz bangen oder in Kurzarbeit sind und sich jeden Cent vom Mund absparen müssen. Aber das juckt diese andere Schicht der Gesellschaft nicht die Bohne. Hauptsache sie fühlen sich schöner und jünger wenn sie in den Spiegel schauen.

Sicher habt ihr bemerkt, dass mich mein Job in der ästhetischen Chirurgie nicht mehr so glücklich macht wie anfangs. Es war neu und daher auf seine Weise aufregend. Inzwischen nervt es nur noch. Nicht die OPs selbst, die finde ich immer noch klasse. Ich durfte inzwischen auch hin und wieder aushelfen und assistieren, anstatt nur OP-Springerin zu sein. Dennoch frustriert mich die Arbeit zunehmend, der Chef wirkt genauso überarbeitet wie die Kolleginnen und jeder ist nur noch am Motzen und Meckern. Natürlich kann mein Chef froh sein, dass bei ihm der Rubel noch rollt, wie es so schön heißt, aber seit 6 Monaten Vollgas geben ist auf Dauer für niemanden gut. Auch nicht für das Arbeitsklima.

Ich habe auch nicht das Gefühl wirklich etwas Sinnvolles mit meiner Arbeitszeit zu tun. Sicher, ich bin für die Nachsorge der Patienten da, betreue sie vor und nach den OPs und kümmere mich ganz allgemein. Trotzdem bin ich zunehmend unzufrieden. Ich hatte wirklich gehofft, dass dieser Job was Langfristiges sein würde, aber nachdem ich mit dem Chef und den Kolleginnen gesprochen und meine Wünsche und geäußert habe, musste ich feststellen, dass ein Kompromiss nicht möglich ist. Ich wollte grundsätzlich circa 25 Wochenstunden arbeiten, habe bei meinem aktuellen Arbeitgeber jedoch gerade mal 18 Stunden herausschlagen können. Diese sind ein wenig flexibel, da OPs mal länger sind oder auch mal was ausfällt. Dass ich jedoch rund 3 Monate allein in der Urlaubsvertretung meiner Kolleginnen Vollzeit arbeiten muss, plus der Zeit, wenn eine von denen mal krank wird, war mir bis vor wenigen Wochen nicht so ganz klar. Sprich, die zwei Tage, die ich regulär frei habe, muss ich indirekt immer für die Arbeit bereithalten. Bereitschaftsgeld bekomme ich jedoch nicht.
Es fragt mich auch keiner, ob ich zu Zeitpunkt X eingespringen kann bzw. möchte, vielmehr werde ich vor vollendete Tatsachen gestellt, da Teambesprechungen bisher immer ohne mich an meinen freien Tagen stattfanden (als gehöre ich nicht zum Team!). Als ich meinen Chef darauf ansprach, sagte er mir relativ trocken, ich müsse mich damit arrangieren, oder solle mir gegebenenfalls etwas anderes einfallen lassen. Das hätte er an jenem Freitag vor knapp 3 Wochen besser nicht gesagt.
Ich war nämlich so angepisst, dass ich auf der Heimfahrt direkt die Stellenausschreibungen für MFAs übers Handy abgerufen habe. Und dann hab ich meinen Traumjob ausgeschrieben gehen, im Robert Bosch Krankenhaus, wo ich vor knapp 2 Jahren meine Ausbildung abgeschlossen habe. Und so kam es, dass ich daheim angekommen, direkt meine Bewerbung geschrieben und verschickt habe. Letzte Woche war das Vorstellungsgespräch, bei der Abteilungsleiterin, die mich noch von damals kennt, und ich habe mir den neuen Job gesichert. Es ist vorläufig eine befristete Stelle (Schwangerschaftsvertretung) auf 80% Basis, aber mir wurde bereits im Vertrauen in Aussicht gestellt, dass diese Stelle wohl eher etwas auf Dauer werden wird. Und im RBK habe ich durchaus Aufstiegsmöglichkeiten, was ich in keiner Praxis oder kleinen Klinik in dem Maß hätte.

Und so werde ich nun am Dienstag meine Kündigung einreichen und in spätestens 6 Wochen in die kardiale Funktionsdiagnostik ins RBK zurückkehren. ENDLICH wieder zurück ins Krankenhaus. Als meine Ex-Kolleginnen erfahren haben, dass ich zurückkehre blieb mein Handy nicht mehr still. Es kamen viele tolle Nachrichten und Glückwünsche rein und ich freue mich unsagbar, dass dieser Wunsch nach zwei Jahren in Erfüllung geht.

Die Zeit in der plastischen Chirurgie nehme ich als wichtigen Erfahrungswert mit. Ich hatte beim Zahnarzt ein Boreout, in der aktuellen Klinik beinahe einen Burnout und freue mich nun auf geregelten Arbeitsstress, tolle Kollegen und ein gut organisiertes und doch recht modernes Arbeitsumfeld.

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